Blogbeitrag vom 1. August 2025

Grambergsche Sägemühle in Liepe


Eine der ältesten Sägemühlen in Liepe war die 1841 errichtete Friedrich Wilhelms Mühle von Pattri und kurz darauf folgte die Grambergsche Mühle, die wie die Friedrich Wilhelms Mühle, aus Polen über die Warthe oder aus Russland über Weichsel, Bromberger Kanal und Netze herangeflößte Rundholz, meist Kiefern mit 30 cm Durchmessern zu Balken, Brettern, Bohlen aufschnitten. Es ging per Kahn nach Berlin oder Magdeburg. Besonders starke und vor allem gerade Pfähle gingen als Rammpfähle für Duc d´Alben nach Hamburg.
Um 1850 begann Carl Adelbert Gramberg mit dem Schneiden von Balken für sein Zimmerer- und Baugeschäft in Berlin, Invalidenstrasse am Stettiner Bahnhof. Zuerst in Berlin, später in Liepe zusammen mit dem Zimmerermeister Eduard Niesing aus Berlin.
Carl Adelbert Gramberg, geboren am 23. Juli 1820 in Schwartau bei Lübeck, Sohn des Amtmannes von Schwartau Carl Christian Gramberg. Adelbert hatte 5 Geschwister, den ältesten Bruder Anton, war Landwirt im Oldenburger Land. Bruder Wilhelm starb sehr früh im Jahre 1847 und sein 11 Jahre jüngerer Bruder Bernhard. Seine zwei Schwestern Sophie und Bertha wohnten später auch im Haus von Gramberg in Berlin.
Adelbert lernte nach seiner Schulausbildung einige Monate in Lübeck das Feldmessen, ging dann nach Köln um beim Meister Hochgürtel das Zimmererhandwerk zu erlernen. Er studierte dann in Berlin an der Bauakademie
Das geschah nicht mit Maschinen, sondern das Rundholz wurde hochgebockt, ein Mann unten und ein Mann oben zogen ein langes Sägeblatt mit Quergriff an beiden Enden durch das Holz, der untere Mann hatte gegen die Späne den breitkrampigen Hut auf, der noch heute ein Zeichen wandernde Zimmerleute ist. Um 1858 wurde dann hier in Liepe eine Dampfschneidemühle gebaut mit 2 oder 3 Vollgattern, als Antrieb diente eine Balanziermaschine von Hoppe/Berlin. Der einarmige Balanzier auf Mauerwerk gelagert, daneben der stehende Dampfzylinder, auf der Welle ein großes Schwung- und Zahnrad, Gusskranz mit eingepressten Holzzähnen trieb auf ein kleines Zahnrad. Die Gatter waren Wagengatter, das Rundholz lag auf einem gleichmäßig vorschiebenden Balkenrahmen und die Sägeblätter waren oben übergeneigt, so dass der Aufgang sie frei gehen lies und nur der Abgang zum Schneiden kam. Im März 1863 verkaufte Eduard Niesing seine Anteile für 18.000,- Taler an Adelbert Gramberg. Adelbert nahm seinen Bruder Bernhard als Teilhaber ins Geschäft mit auf. Um 1870 kam eine zweite Dampfmaschine dazu und vermutlich 2 oder 3 Gattern. Am 3.Juli 1887 brannte die Sägemühle nieder. Es war an einem Sonntagnachmittag, ob der Brand angelegt war, ist nicht ermittelt worden, es konnte aber kaum anders sein.
Die beiden Brüder bauten die Mühle alsbald wieder auf. Die Rundhölzer, meist etwa 12 m lang und 30 cm mittleren Durchmesser, wurden nicht mehr über eine schiefe Ebene aus dem Wasser gezogen, sondern mit zwei Kranen gehoben und an Stelle der Wagengatter traten 3 Walzengatter neuer Bauart, dazu noch 3 Wagengatter. Den Antrieb gab eine liegende Dampfmaschine von Hoppe, 60PS, die höhere Drehzahl der Gatter und namentlich der Kreissägen, längst zum Besäumen der Bretter, quer zum Ablängen, wurde mit Riemen erreicht, der Hauptriemen war etwa 40cm breit. Es wurden wohl 250.000 Mark verbaut. Das fertige Bauwerk hatte aber wohl nicht viel Freude gemacht. Es war selten voll beschäftigt
und arbeitete daher mit Verlust. Bernhard Gramberg verstarb 1891 und Adelbert war wieder alleiniger Teilhaber. 1896 und 1897 ergab die Bilanz 50.000 Raummeter Verlust an Holz und ein Verkauf wurde nötig. Sonderbarerweise fanden die Grambergs einen Käufer, der 180.000 Mark für Mühle, es waren umfangreiche, aber gestreut gelegene Holzstapelplätze, ein stattliches Wohnhaus mit Garten, bezahlte. Sack war ein Regimenter (Unternehmer der Flößerei) gewesen und hatte wohl viel verdient, indem er nebenbei mit Rundholz handelte. Die Söhne, feiner geworden, wollten nun ein Sägewerk haben, Freude haben wohl auch sie nicht daran gehabt. Liepe lag abseits. Eine Eisenbahn ging zwar von Freienwalde nach Eberswalde und nach Oderberg – Angermünde, aber nicht von Eberswalde über Liepe nach Oderberg. Liepe konnte also nicht schnell nach Berlin liefern. Ein Schulbeispiel für das, was heute die Standortfrage heißt.
Von den 180.000 M Verkaufserlös blieben den Grambergs nichts. Adelbert war zu dieser Zeit schon 77 Jahre und soll das Ende seines Lebenswerks mit der Gelassenheit aufgenommen
haben. Seiner Frau jedoch, die als junge Frau Liepe aufblühen sehen hatte, brach es das Herz
und sie kränkelte seitdem. Sie zogen wieder in ihrer Wohnung in der Köthenerstr. nach Berlin.
Margarete Sophie Charlotte Gramberg geb.Borstell starb knapp zwei Jahre später im Jahre 1899. Carl Adelbert Gramberg starb 1906 in Berlin.


Adelbert Gramberg´s 76.Geburtstag in Liepe
Foto Juli 1896
Von links: Carl Adelbert Gramberg, Tochter Else Gramberg, Ehefrau Sophie Gramberg geb. Borstell, dahinter Sohn Heinz Gramberg


Ortschronist Guido Herbst,2024

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