Blogbeitrag vom 1. August 2025

Gedenkstein Gardejäger Schulz


Der erste offizielle Cholerafall wurde 1829 aus der am Ural gelegenen Stadt Orenburg gemeldet. Die Cholera ist eine Erkrankung der Darmschleimhaut, die zu permanentem Erbrechen und Durchfall führt. Der stetige Wasserverlust bewirkt die innere Austrocknung des Körpers und den Verlust lebenswichtiger Mineralien. Da der Choleravirus seine Vermehrungsfähigkeit bei einer Wassertemperatur unter etwa 10 Grad Celsius stark einbüßt, war es vermutlich der Wintereinbruch, der die Epidemie beendete und einer weiteren Ausbreitung der Cholera nach Westen Einhalt gebot. Ab dem Sommer 1830 bewegte sich die Cholera beunruhigend schnell entlang der großen Flussläufe stromabwärts.
Man setzte Maßnahmen in Aktion, das im 17. und 18. Jahrhundert überall in Europa zur Abwehr der Pest entwickelt worden war. Das Einsetzen des Militärs, Verhängung von Quarantänen und Häuserabsperrungen sowie Reinigung verdächtiger Stoffe schienen die geeigneten Maßnahmen zu sein, um die „neue Pest“ zu stoppen.
Seit Mai 1831 war die Einreise aus Polen nach Preußen nur noch an zwölf Grenzorten gestattet. Alle übrigen Grenzübergänge waren geschlossen, und längst der Grenze war Militär stationiert worden, das unerlaubte Grenzübertretungen mit Schusswaffengebrauch beantwortete.
Das alles verhinderte jedoch nicht, dass im August 1831 die Cholera nach Liepe eingeschleppt wurde. Das königlich preussische Garde Jäger Bataillon und das 4.Füsilier Bataillon des Garde Corps wurde von Potsdam aus an die Oder und Teile auch nach Liepe verlegt. 60 Schiffer sind von der Cholera betroffen und liegen nun an der Lieper Schleuse in Quarantäne. Die Aufgabe des Militärs bestand nun darin, eine Ausbreitung vorzubeugen. Der 22jährige Garde-Jäger Carl Schulz aus Züllichau wird am 5.September das erste Opfer der Cholera in Liepe und wurde auf dem Acker des Bauer Böhm beerdigt.
Im Jahre 1831 forderte die Seuche dann noch 7 weitere Todesopfer. Ab Ende September Frau Wilke, Steinhauer Künkel, Steinhauer Kalow und seine Tochter Wilhelmine, sowie die Herrn Fischer, Böhm und Voigt. Eberswalde verzeichnete in diesem Jahr 9 Todesopfer.
Zuerst glaubte man diese Fälle auf Einschleppung zurückführen zu können, doch hat man später diese Annahme fallen lassen, und zweifelt nicht mehr daran, dass das Wasser des Finowkanals verseucht war.
Seit Juli erinnert wieder ein Gedenkstein an den Garde Jäger Schulz. Dieser Stein war lange vermisst und wurde durch Mithilfe von Herrn W. Thiede wiedergefunden und wurde von Herrn Finger aus Liepe restauriert.
Der Gedenkstein ist ein quadratisch gehauener Granitstein, ca.1,50m hoch und steht am Weg des unteren Friehofs. Vorderseitig beschrieben „Dem Garde Jäger Carl Schulz gest.5.September 1831“ rückseitig „Von seinen Cameraden der 1.Companie gewitmet“
Ortschronist Guido Herbst Liepe

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