Als im Jahre 1840, ein Berliner Maurermeister in Liepe, ein nicht unbedeutendes Lager an Kiefernrundhölzer auf dem Lieper See unterhielt, ahnte noch niemand wie sich der Ort in den nächsten Jahrzehnten verändern wird.
Friedrich Wilhelm Pattri wurde am 22.März 1799 in Bielefeld geboren. Er war eines von mind. 9 Kindern des Maurermeister Ludwig Arnhold Pattri und seiner Ehefrau Wilhelmine Louisa, geb. Rediger. Als junger Maurerpolier verschlug es ihn nach Berlin und lernte dort die Johanna Christine Kampfmeyer kennen und lieben. Johanna wird er im Juni 1822 heirateten und sein erster Sohn Friedrich Wilhelm Ludwig wurde 1824 geboren. In den Folgejahren wurden seine Tochter Friederike Wilhelmine und seine Söhne Ludwig und Rudolf geboren.
Im Jahre 1830 dann, starb sein jüngster Sohn Rudolf und im Dezember auch noch seine geliebte Ehefrau Johanna.
Friedrich Wilhelm heiratete dann ein Jahr später, die Tochter eines Schneidermeisters, Auguste Karoline Ernstine Ketthausen aus Berlin. Aus dieser Ehe entstanden 3 weitere Kinder. Tochter Auguste, Tochter Anna Helene sowie der Sohn Carl Friedrich Wilhelm Pattri und er bezog zwei Jahre später als Eigentümer eine Wohnung in der Friedrichstr.108 in Berlin.
Zu dieser Zeit hatte Friedrich Wilhelm schon die Meisterprüfung im Maurerhandwerk erfolgreich abgelegt. Seit 1837 wohnte dort auch der Kaufmann Ludwig Kupfer einer seiner Freunde und späteren Geschäftspartner. 1841verkaufte er sein Haus an den Stadtrat Jordan.
Seit 3.Mai 1841 erwarb Friedrich Wilhelm Pattri gemeinsam mit Ludwig Kupfer ca. 25 Morgen Land vom Krug- und Bauerngutsbesitzer A.Wegener und vom Lehnschulzen Sparr. Sie stellten einen Bauantrag zur Errichtung einer Schneidemühle. Diesem wurde auch einer Erlaubnis stattgegeben, dass die zu erbauende Dampfschneidemühle den Namen „Friedrich Wilhelms Muehle“ tragen darf. Genehmigt am 29.12.1841 von der königl. Majestät Friedrich Wilhelm IV.
Sie sollte in den Anfangsjahren die größte und bedeutende Dampfschneidemühle in Norddeutschland werden und hatte eine damalige Leistung von 35PS.
Es wurde ein Floßgraben zur Mühle angelegt um die Rundstämme schnell und einfach zur Mühle zu transportieren. Den Floßgraben gibt es heute noch und wurde umgangssprachlich als Kuppers Graben genannt.
1842 ging dann die“ Friedrich Wilhelms Muehle“ erstmals in Betrieb. Es wurden fast ausschließlich nur Nadelhölzer geschnitten. Bauholz und Fußbodendielung war gerade in den kommenden Jahren sehr gefragt. Ein riesiges Lager an Rundholzer lagerten auf dem Lieper See. Allein bis zu 200.000 Holzstämme lagerten zwischen den Oderberger und Lieper See und auch bis zu 60.000 Stämme wurden weiter den Finowkanal entlang geflößt. Der Lieper See solle im Spätsommer wie ein grüner Teppich ausgesehen haben, natürlich zum Leid der ansässigen Fischer. Diese beklagten sich regelmäßig über den stark schwindenden Fischbestand. Der Finowkanal entwickelte sich zu dieser Zeit als bedeutendste Wasserstrasse in Preußen.
1843 wieder ein schwerer Schicksalsschlag für Friedrich Wilhelm, seine älteste Tochter Friederike Wilhelmine starb im Alter von 17 Jahren in Liepe an Nervenfieber.
Die Geschäfte liefen aber sehr gut und Pattri war ein in weiten Kreisen bekannter und hochgeschätzter Ehrenmann und ein, was damals nicht allzu häufig vorkam, Wohltäter der Armen. Das Zustandekommen der Chaussee nach Oderberg und die Gründung der Oderverwaltung war hauptsächlich sein Werk. Gerade der Bau der Chaussee von Oderberg nach Eberswalde über Liepe, im Jahre 1847, war für die ansässigen Sägewerke enorm wichtig. Sie sollte auch eine Entlastung für die Schifffahrt auf dem Finowkanal und einen schnelleren Holztransport zum Eisenbahnknotenpunkt Eberswalde ermöglichen. In diesem
Zusammenhang beteiligte er sich mit 1000 Talern an den Kosten und stellte finanzielle Mittel für die Anlegung des Rundteils in Liepe bereit und ließ diesen mit Linden bepflanzen. Der Lieper Kirche schenkte er zwei wertvolle Ölgemälde“Jesu in Gethsemane“ und „Jesu Auferstehung“, die leider beim Kirchenbrand 1944 verbrannt sind.
Sein Einfluß auf unsere Region schien schon recht beeindruckend gewesen zu sein, denn
er pflegte ja auch einen recht bekannten Familien und Freundeskreis.
Seine älteste Tochter heiratete den Brauereibesitzer und Kaufmann Frenzdorff, dessen Vater ein Stadtrat in Berlin war. Der älteste Sohn Friedrich Wilhelm Ludwig wurde Regierungsbaumeister. Der zweite Sohn Ludwig, übernahm zur späteren Zeit das Sägewerk und der jüngste wanderte nach New York aus.
Zu Pattri´s Freunden gehörten u.a. der damalige Oberbaurath Friedrich August Stüler, der Unternehmer August Borsig und der König Friedrich Wilhelm IV. Am 11.Juni 1853 besuchte der König Friedrich Wilhelm IV Liepe und übernachtete sogar bei seinem Freund Pattri, wie er ihn nannte. Ein Begrüßungs-Deputation des Oderberger Magistrats und Friedrich Wilhelm Pattri empfingen den König und besichtigten die Schneidemühle. Am 12.Juni fuhren sie mit seiner Kutsche zur Grundsteinlegung nach Oderberg und zur Einweihung der Brodowiner Kirche. Der König verabschiedete sich mit den Worten „Kinder, bei Euch hatte es mir so schön gefallen, dass ich zur Einweihung wiederkommen werde“.
Im Oktober 1855 kam der König, wie versprochen, zur Einweihung der Kirche die F.W.Pattri auf seine Kosten üppig ausschmücken ließ. Der Holzhandel in und um Liepe florierte in den folgenden Jahren so stark, dass sich noch weitere zwei große Sägewerke, mehrere Holzhändler und Fuhrunternehmen ansiedelten. Es wurden bis zu 600 Arbeiter allein in Liepe beschäftigt. Im Mai 1866 trat sein Sohn Kaufmann Ludwig Pattri als 2. Teilhaber in die Firma ein. Friedrich Wilhelm zog sich jetzt auch des Öfteren mit seiner Frau in seinem 1872 neugebautem Haus In den Zelten Nr.20 zurück. Diese Straße war wegen ihrer ruhigen Lage und ihrer Nähe zum Tiergarten von angesehenen Privatpersonen, Beamten, Wissenschaftlern und Künstlern sehr gefragt.
Am 22.September 1882 starb Friedrich Wilhelm Pattri im Alter von 83 Jahren in Liepe und fand auf dem Dorotheenfriedhof in Berlin seine letzte Ruhe, auf dem auch Borsig und Stüler beigesetzt sind.
Ortschronist Guido Herbst, Liepe
